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Energie-Werk-Prad Genossenschaft
Geschichte von Energie-Werk-Prad Genossenschaft

"Was du von den Vätern ererbt, erwirb es, um es zu besitzen"

A)

Von mutigen Anfängen in schwierigen Zeiten (1925 – 1945)

B)

Harter Stand nach dem 2. Weltkrieg (1946 – 1975)

C)

Ein genossenschaftliches Elektrizitätsunternehmen im Aufbruch (1976- 1995)

D) Neue Perspektiven mit Kooperation, mit neuen erneuerbaren Energiequellen und neuen energetischen Dienstleistungen (1996 – 2004)

 

A)

Von mutigen Anfängen in schwierigen Zeiten (1925 – 1945)

 

Wir leben heute in einer Zeit, die von einem unaufhaltsamen und raschen Wandel der Umwelt gekennzeichnet ist. Je schneller sich aber die Dinge um uns verändern, umso leichter verliert man das Vergangene aus den Augen und vergisst, was einmal war. Die Kenntnis der Vergangenheit ist aber wichtig für unser Handeln. Nur wenn man die Vergangenheit kennt, kann man die Gegenwart begreifen und die Zukunft planen. Bei unseren Entscheidungen und Urteilen gilt es daher, das historische Erbe nicht aus den Augen zu lassen.

Mit Pioniergeist und Idealismus haben sich Menschen um die Jahrhundertwende für den Aufbau der Elektrizitätsversorgung eingesetzt. Das erste Elektrizitätswerk im Vinschgau wird im Jahre 1892 in Sulden in Betrieb genommen. Es lieferte dem Sulden - Hotel, das damals ein nobles Quartier für vornehme Kurgäste aus nah und fern war, den Strom für die Beleuchtung. Dieses erste private E-Werk galt damals als eine Art Weltwunder in Tirol. Die Prader bekamen erst im Jahre 1913 das elektrische Licht. Die ersten Häuser werden vom E-Werk Mals, einer Aktiengesellschaft, mit elektrischem Strom versorgt. In Spondinig ist der Einspeisepunkt, von dort muss eine lange Leitung nach Prad herauf gebaut werden.

Nach dem 1. Weltkrieg waren die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse in der Gemeinde Prad äußerst schwierig. Es ist der Weitsicht, Entschlossenheit und dem Mut von 5 Männern (Alois Karner, Alois Primisser, Johann Prugger, Anton Wallnöfer, Johann Wallnöfer und Alois Wunderer) und wohl auch der deftigen Erhöhung des Strompreises seitens der Malser zu verdanken, dass auch in Prad ein eigenes Wasserkraftwerk errichtet wurde. Mit ihrem Unternehmergeist und Einsatz leisteten die Männer einen wichtigen Beitrag für die Existenzsicherung und den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt der Dorfgemeinschaft.

1925

Das Kraftwerk am Tschrinbach wird in Betrieb genommen. Die Baukosten belaufen sich auf ca. 375.000 Lire. Wenn man bedenkt, dass eine Kuh damals 1.000 Lire kostete, so kam dieses Werk recht teuer zu stehen. Die Gemeinde sollte nach dem Bauabschluss das E-Werk übernehmen, sieht sich dazu aber nicht in der Lage. Das Baukomitee kommt in finanzielle Schwierigkeiten und sucht eine Lösung.

1926

Wie so oft im Vinschgau, besann man sich auch in diesem Fall auf die Nützlichkeit einer Genossenschaft, wenn es darum ging, in Selbsthilfe ein gemeinsames Problem zu lösen. Am 26. Juni kommt es zur Gründung der Elektrizitätsgenossenschaft. Den Vorsitz führt Johann Prugger. Inspektor Heinrich Nirk gibt das Genossenschaftsstatut bekannt. 47 der anwesenden Personen erklären den Beitritt. Der einzelne Geschäftsanteil wird mit 150 Lire festgelegt. Es sollen ungefähr 120.000 Lire der Baukosten durch Geschäftsanteile gedeckt werden. Nur ein Teil konnte aber bar hinterlegt werden. Das übrige Geld wird bei der Raiffeisenkasse geliehen.

1927

Am 2. Februar findet die erste Generalversammlung statt.

1928

Es sind noch keine Stromzähler vorhanden. Die Strompreise werden nach Kerzenstärken pro Lampe berechnet. Das E-Werk hat immer wieder Stromdiebstähle zu beklagen und legt hohe Strafen fest. Wer "Stehler" zur Anzeige bringt, erhält 25% des Strafgeldes.

1929

Nach mehrfacher Anfrage der Gemeinde Lichtenberg wird von der Generalversammlung der E-Werk-Genossenschaft beschlossen, die Nachbarsgemeinde mit Strom zu versorgen, sofern sie sich verpflichtet, die Hälfte der Baukosten - ca. 15.000 Lire - zu übernehmen.

1930

Angesichts der politischen Situation in Südtirol, die im Zeichen der faschistischen Diktatur Mussolinis steht, unterschreibt ein Teil der Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder die Protokolle mit italienischem Vornamen. Aus Josef wird Giuseppe.

1943

Die Wirtschaftskrise der Zwischenkriegszeit und der 2. Weltkrieg beeinträchtigen die Entwicklung der Genossenschaft. Besonders getroffen wird das E-Werk aber durch die Liquidierung der Raiffeisenkasse Prad. Nur durch die Tatsache, dass Private mit ihren Einlagen bei der Raiffeisenkasse die Schulden des E-Werkes decken, kann die Genossenschaft gerettet werden.

 

B)

Harter Stand nach dem 2. Weltkrieg (1946 – 1975)

1946

Nach dem Krieg gibt es eine leichte Hoffnung für einen wirtschaftlichen Fortschritt der Genossenschaft. Die Generalversammlung beschließt daraufhin, die Schulden, welche 1943 von Privatpersonen abgedeckt werden mussten, durch die Erhöhung der Geschäftsanteile zu tilgen, was auch innerhalb kurzer Zeit bewerkstelligt wird.

1951

Der in den Nachkriegsjahren begonnene Einbau von Stromzählern ist abgeschlossen. Für 382 Lichtabnehmer stehen in dieser Zeit 213 Lichtzähler und 41 Kraftzähler auf Miete in Verwendung. Zeitweise ist das E-Werk nicht mehr in der Lage, die Abnehmer ausreichend mit Strom zu versorgen, und die Vollversammlung beschließt den Umbau des Tschrinbachwerkes. Es wird ein 150 m3 großes Wasserreservoir errichtet, wodurch die Leistung um 12 bis 15 PS gesteigert werden kann.

1956

Der Strombedarf von Prad steigt weiter an, und der Verwaltungsrat des E-Werkes sieht sich veranlasst, beim Montecatini- Netz einen Anschluss zu beantragen. Noch im Herbst wird der Anschluss durchgeführt.

1957

Das Verteilernetz, das noch mehr oder weniger auf das des Malser Werkes zurückgeht, ist den Anforderungen nicht mehr gewachsen und muss umgebaut werden.

1958

Der Strombedarf von Prad ist seit der Gründung des E-Werkes um das nahezu Zehnfache angestiegen. 1927 wurden ungefähr 35.000 Kilowattstunden ins Netz gesetzt, nun sind es gut 350.000. Eine Kilowattstunde kostete damals noch 1,30 Lire, nunmehr 25 Lire. Der Genossenschaft gehören 91 Mitglieder an.

1962

Auch in Prad wird mit der Umstellung der Spannung von 150 auf 220/380 Volt begonnen. Die Textilfabrik Bohne und die Firma Heraklit erhalten jetzt beim E-Werk Stromanschluss.

1963

Ein Blitzschlag bei einem Unwetter richtet in der E-Werk-Zentrale erheblichen Schaden an. Dieser Schaden muss durch eigene Mittel behoben werden.

1965

Die Umstellung von 150 Volt auf 220/380 Volt Spannung ist abgeschlossen. Die Eigenproduktion entspricht infolge des wachsenden Strombedarfs nur mehr einem Drittel der gesamten Strommenge, die in Prad verbraucht wird.

1970

8o% des Strombedarfs wird bereits vom ENEL (Montecatini) gekauft. Dafür müssen 11 Mio. Lire aufgewendet werden (1982 ca. 80 Mio. Lire).

1974

Die italienische Regierung führt bei den Strompreisen das erste Mal den so genannten Thermozuschlag ein; mit diesem Zuschlag möchte der Staat den Ankauf von Rohöl mitfinanzieren.

1975

Der Generator des Tschrinwerkes wird durch Brand zerstört. Der Strombedarf steigt weiter. An ca. 6oo Abnehmer werden nun schon 1,4 Mio. Kilowattstunden verteilt. Nur mehr 13% können mit der Produktion des eigenen Kraftwerkes gedeckt werden.

 

C)

Eine genossenschaftliches Elektrizitätsunternehmen im Aufbruch (1976- 1995)

1976

Der Verwaltungsrat des E-Werkes sieht sich aufgrund der beschränkten Produktionskapazitäten veranlasst, Möglichkeiten zur Nutzung von Gewässern für die Stromversorgung der Gemeinde Prad zu überprüfen. Dr. Ing. Ernst Troyer wird mit einer Studie betraut.

1977

Zur besseren Stromversorgung in der Schmelz errichtet das E-Werk in der Nähe des Hotel Prad eine neue Trafostation und verlegt dazu entlang dem Suldenbachdamm ein Mittelspannungskabel, das die Verbindung mit der Schlachthauskabine herstellt.

1978

Das E-Werk entwirft ein Konzept für Aufbau eines verkabelten MS-Ringleitungssystems und plant verschiedene Trafostationen. Mit dem Bau einzelner Kabinen wird begonnen (Reutäcker und St. Antonsiedlung). Die Gemeinde unterstützt den Bau dieser Infrastrukturen und leistet finanziellen Beistand. Die bimestrale Stromverrechnung wird immer aufwendiger und dem Raiffeisen-Rechenzentrum übergeben.

1979

Die Ergebnisse der Studien für die hydroelektrische Nutzung des Sulden- bzw. Tschrinbaches liegen vor. Es taucht eine Reihe von Fragen auf. Das Suldenbachprojekt erweist sich als zu kostspielig, während die Studie für die Nutzung des Tschrinbaches Fragen hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit vor allem wegen der großen jahreszeitlichen Produktionsunterschiede aufwirft, im Winter geringe Stromerzeugung, im Sommer könnte die Anlage den Bedarf von Prad leicht decken. Angesichts dieser Probleme sieht man sich nicht in der Lage, eine Entscheidung zu treffen. Am MS-Ringleitungsnetz wird weitergearbeitet, die Trafostation in der St. Antonsiedlung fertig gestellt und weitere Erdkabel verlegt.

1980

Dr. Ing. Ernst Troyer legt ein überarbeitetes Tschrinbachprojekt vor. Es überzeugt vor allem wegen des mittlerweile möglich gewordenen Parallelbetriebes mit dem ENEL. Das Bonifizierungskonsortium und das E-Werk schließen zur gemeinsamen Nutzung des Tschrinbaches einen Vertrag. Weitere Fortschritte werden beim Aufbau des Ringleitungssystems erzielt. In der Silbergasse entsteht eine neue Trafostation. Ebenso wird mit der Elektrifizierung einiger Höfe am Prader Berg (Löschhof, Untervellnair und Moosho1 begonnen, die bisher ohne Stromversorgung waren.

1981

Die außerordentliche Vollversammlung von Jänner beschließt mit großer Mehrheit den Bau des E-Werkes am Tschrinbach und genehmigt die Aufnahme neuer Mitglieder. 158 Prader Bürger schließen sich der Elektrizitätsgenossenschaft an, so dass ihr nunmehr 251 Mitglieder angehören. Das E-Werk erhält im Gebäude des Anton Kobler in der Hauptstraße 31/A einen neuen Sitz für Büro und Magazin. Weiters wird das Wasserkraftwerk in der Schmelz von Herbert Wallnöfer erworben.

1982

Mitte April wird mit dem Bau des neuen Tschrinbachwerkes begonnen und am 29. Oktober nimmt die erste Zentrale bereits den Betrieb auf. Fertig gestellt und in Funktion gesetzt wird ebenfalls der Parallelbetrieb mit dem ENEL.

1983

Die zweite Zentrale auf den Schweinböden wird montiert und nimmt noch Ende April die Produktion auf. Die Hauptarbeit konzentriert sich jedoch auf die Neuelektrifizierung von Agums und den Agumser Berg, wofür über das Bergelektrifizierungsgesetz ein Landesbeitrag gewährt wird.

1984

Der Bau der unterirdischen Kabine im Parkplatz des Hotel Zentral wird abgeschlossen. Diese Trafostation stellt eine zentrale Einrichtung im Konzept des MS-Ringleitungssystems dar, die wegen der zentralen Lage im Dorf wesentliche Versorgungsaufgaben zu übernehmen hat. Ebenso wird die Mittelspannungsringleitung fertig gestellt. Über 8 Jahre wurde daran gebaut. Damit ist eine grundlegende Infrastruktur des Stromverteilungssystems errichtet worden. Abgeschlossen wird auch die Neu-Elektrifizierung von Agums und der Kiefernhainzone. Der Siedlungsbereich links vom Suldenbach ist somit zur Gänze verkabelt.

1985

Verschiedene Verkabelungen rund um die unterirdische Kabine im Parkplatz des Hotel Zentral werden vorgenommen. Die Trafostation in der St. Antonsiedlung wird in den Boden versetzt und große Teile am Stromleitungsnetz der Prader Berghöfe werden saniert.

1986

Mit dem Bau des neuen Mühlbachkraftwerkes wird am 7. März begonnen. Auf der Baustelle liegt nach dem Schneebruch Anfang Februar noch eine mächtige Schneedecke, die zuerst weggeräumt werden muss. Zuerst werden die Wasserfassung und das Entsanderbecken in Angriff genommen. Bis Mitte Mai sollte dieser Teil des Kraftwerkes, der im Bachbett des Suldenbaches auszuführen ist, abgeschlossen werden. Ab der 2. Maiwoche schwillt der Suldenbach jedoch bedrohlich an. Zu Pfingsten stürzt dann schließlich infolge von Regen und der verstärkt einsetzenden Schneeschmelze so viel Wasser zu Tal, dass nur unter größten Anstrengungen und oft nicht ohne Gefahr für die Arbeiter das Bauwerk im Bachbett des Suldenbaches rechtzeitig fertig gestellt und die Baustelle gerade noch angesichts der tobenden Wassermassen geräumt werden konnte. Ein weiterer wesentlicher Bestandteil des Kraftwerkes ist die Druckleitung. Um rund 4500. 1/sec Wasser aus dem Suldenbach ableiten zu können, werden Stahlbandrohre von 1,80 m Durchmesser auf einer Länge von 640 m zwischen dem Entsanderbauwerk bei der Schwarzen Wand und dem neuen Krafthaus in der Schmelz (Nähe Hotel Prad) auf der orthographisch rechten Seite des Suldenbaches verlegt. Mit dem Bau des Kraftwerkgebäudes wird Anfang Juli begonnen. Das Kraftwerk selbst entsteht an jener Stelle am Mühlbach, wo sich das stillgelegte Wasserrad für die Klenganstalt (Entsamung von Nadelbaumzapfen) befand. Das Gebäude beherbergt eine Kaplan-Rohrturbine. Bei 20,3 m Gefälle und einem Durchfluss von 4.500 1/sec leistet sie ca. 760 KW und betreibt einen Synchrondrehstromgenerator von 1.000 kVA. Ferner sind die Bedienungs- und Überwachungsanlagen, die Mittelspannungsschaltzelten sowie 2 Transformatoren im Kraftwerksgebäude untergebracht. Ebenso wird ein Diesel-Notstromaggregat mit einer Leistung von 200 KW im Gebäude installiert. Die wichtigsten Bauarbeiten konnten anfangs Oktober 1986 abgeschlossen werden, so dass schließlich am 7. Oktober 1986 das neue Mühlbachkraftwerk den Betrieb aufnahm.

1987

Im Frühjahr werden verschiedene Abschnitte der Hauptstraße und der Kreuzgasse niederspannungsseitig verkabelt. Weiters wird von der Wildbachverbauung der Suldenbachdamm saniert, was die Versetzung der Schlachthauskabine erfordert. Die Trafostation wird in einer unterirdischen Kabine im Kreuzungsbereich der Landstraße mit dem Kiefernhainbereich neu errichtet. Außerdem werden im Zuge der Sanierung des Suldenbachdammes für das geplante Mühlbachkraftwerk 2 am ortographisch linken Ufer auf Höhe zwischen Tennisplatz und Feuerwehrhalle ca. 6oo m Druckrohre verlegt. Im Juli gibt es ein großes Unwetter. Der Suldenbach reißt zwischen Prad und Stilfserbrücke Teile der Straße mit sich, lagert im Auffangbecken das angeschwemmte Material ab und droht dabei über die Ufer zu treten, Das Hochwasser richtet auch an der Wasserfassung Schäden an. Das Mühlbachkraftwerk bleibt wegen Sanierungsarbeiten einen Monat lang still.

Im Herbst wird die Zone zwischen der Kreuzgasse, dem Tennisplatz und dem Haus Raffeiner neu elektrifiziert. Noch vor Wintereinbruch wird ein Mittelspannungskabel in die Handwerkerzone von Prad verlegt und die Firma Polyfaser an das E-Werk-Netz angeschlossen.

1988

Im Frühjahr wird der Einbau eines neuen Einlaufschützen vor dem Entsanderbecken des Mühlbachkraftwerkes vorgenommen, wodurch bei Hochwasser ein besserer Schutz erreicht werden soll. Weiters werden verschiedene Arbeiten am Verteilernetz durchgeführt sowie im Rahmen des Bergelektrifizierungsnetzes die unterirdische Verkabelung der gesamten St. Antonstraße vorgenommen.

1989

Eine Brücke von der Straße ('Schwarze Wand") zur Wasserfassung und dem Entsander des Mühlbachwerkes wird errichtet. Weiters wird in der Handwerkerzone vor der Firma Polyfaser eine neue Trafostation für die Stromversorgung eines Teiles der Handwerkerzone errichtet. Dabei wird auch das Niederspannungsnetz für diesen Bereich der Zone unterirdisch verlegt, nachdem das ENEL einen Teil der Stromverteilung in der Handwerkerzone an das E-Werk aufgegeben hat. Im Herbst wird mit dem Bau der unterirdischen Trafostation im Sandweg begonnen und die alte Turmkabine abgetragen. Einige Schäden (36 Mio.) verursacht ein Blitzschlag im Frühsommer im Mühlbach- und Tschrinbachkraftwerk. Einige Schaltanlagen sowie die Parallelüberwachungseinrichtung müssen ersetzt werden.

1990

Das E-Werk konzentriert sich auf den Bau des neuen Mühlbachkraftwerkes II. Mit den Arbeiten wird am 28. März begonnen und am 14. November kann nach gut siebenmonatiger Bauzeit bereits der ordentliche Betrieb aufgenommen werden. Der Bau verläuft ohne nennenswerte Zwischenfälle. Die beauftragten Firmen halten im Wesentlichen die Liefer- und Arbeitstermine ein. Für das Kraftwerk werden ca. 1,69 Milliarden Lire ausgegeben. Die Fa. VOEST ALPINE MCE liefert die Turbine garantiert für die Kaplan-Rohrturbine einen Wirkungsgrad von 92%. Den Drehstromsynchrongenerator liefert auch für dieses Werk die Fa. Hitzinger aus Linz, Österreich. Der Transformator stammt von er Fa. SBG (Sächsisch Bayrischer Gerätebau). Die Turbine kann rund 500 kW leisten. Das Kraftwerk übernimmt direkt am Auslauf des Mühlbachwerkes das Wasser des Suldenbaches, wo es zunächst in einem Ausgleichsbecken gestaut wird. Über eine Druckrohrleitung (Stahlbandrohre von 7 mm Wandstärke) von 1.900 m Länge und einem Durchmesser von zunächst 1,20 m (auf den ersten 600 m) und anschließend 1,30 m (1.400 m) wird das Wasser der Turbine zugeführt. Das Gefälle beträgt 32 m. Die Turbine (1.000 U/min) ist mit dem Generator direkt gekuppelt. Die Automation wird von der Firma Troyer-Sterzing geliefert und eingebaut. Ein Mikroprozessor (SPS-Siemens-Simatic) steuert und regelt das Kraftwerk.

Um die Kraftwerke (Mühlbachkraftwerk 1, Mühlbachkraftwerk 2, Tschrinbachwerk auf den Schweinböden und Tschrinbachwerk in der Schmelz) besser überwachen zu können, und die innerbetriebliche Kommunikation des Personals und der Verwaltung zu verbessern, wird eine Funkanlage installiert. Diese erhält von einer im Mühlbachkraftwerk 1 installierten Fernwirkanlage die Signale bei eventuellen Störungen der Kraftwerke und des Netzes, womit dann der Bereitschaftsdienst alarmiert wird. Die Fernwirkanlage, welche mit den SPS-Einheiten der einzelnen Kraftwerke durch Datenleitungen, meist Lichtwellenleiter in Verbindung steht, hat neben der Überwachung und Steuerung der Kraftwerke auch die Aufgabe, den Inselbetrieb bei ENEL- Ausfall über eine entsprechende Steuerung der verschiedenen Kraftwerke zu regeln und die wichtigsten Messdaten aus den verschiedenen Kraftwerken aufzuzeigen und aufzuzeichnen. Die Fernwirkanlage ist ausbaufähig und kann auch an einen PC-Computer für eine weitere Betriebsoptimierung der Kraftwerksanlagen eingesetzt werden.

1991

Zu Beginn des Jahres werden zunächst noch Restinstallationen am neuen Mühlbachkraftwerk 2 durchgeführt, womit die Endabrechnung für den gesamten Bau des neuen Mühlbachwerkes knapp 1,8 Milliarden Lire ausweist.

Weitere Arbeiten und Installationen werden am Stromverteilungsnetz durchgeführt. Zunächst muss ein neuer Trenntransformator im Mühlbachwerk eingesetzt werden, da der alte wahrscheinlich aufgrund eines Blitzschlages beschädigt worden ist. In der unterirdischen Trafostation an der oberen Suldenbachbrücke muss die MS-Schaltanlage (ölarmer Schalter) mit einer neuen (SF-6 -Schalter) ersetzt werden. Für die Erweiterung der MS- Parallelstation mit dem ENEL wird das Gebäude des Tschrinbachwerkes in der Schmelz ausgebaut. Es handelt sich um ein Mehrjahresprojekt des ENEL, welches sein MS-Stromverteilungsnetz in der Zone zwischen Mals und Laas neu strukturieren und eine neue Umspannstation HS/MS in Glurns errichten will. Als ein erstes Baulos soll eine neue MS-Leitung zwischen Tschengls und Prad in Angriff genommen werden. Am Tschrinbachwerk werden von Jahr zu Jahr immer höhere Leistungsverluste festgestellt. Nach genaueren Untersuchungen findet man an den Innenflächen der Druckrohrleitung Inkrustierungen, die hierfür verantwortlich sind. Durch die Inkrustierungen nimmt die Rohrrauhigkeit zu und der Druck fällt vor allem bei höherem Durchfluss entsprechend ab. Die Inkrustierungen setzen sich vorwiegend aus Eisen-Kalziumoxyd zusammen und bilden sich aus Absetzungen von im Wasser gelösten Stoffen. In der Nähe von Köln (Deutschland) wird schließlich eine Firma gefunden, die in der Lage ist, die Inkrustierungen zu beseitigen. Mittels Wasserdruck werden Kunststoffpfropfen durch die Druckleitung getrieben, welche die Ablagerungen an den Innenflächen der Rohre abschürfen. Im Herbst wird die Reinigung erfolgreich durchgeführt, die Leistung der Kraftwerke steigt wieder um rund 100 kW an. Die Kosten der Reinigung betragen insgesamt 28 Mio. Lire.

1992

Die Vorschriften bezüglich Sicherheit und Umwelt sind im Laufe der letzten Jahre zusehends verschärft worden. Eine besondere Sicherheitsvorschrift für Elektrizitätsunternehmen betrifft die chemische Zusammensetzung des Transformatorenöls. Bei den Transformatoren wurden in den letzten 10 bis 15 Jahren seitens der Hersteller immer mehr PCB-haltige Öle (Askarele) eingesetzt, um die Isolierfähigkeit des Öls zu verbessern. Allerdings hat man nicht erkannt, dass durch die Beimischung von PCB im Falle eines Transformatorbrandes sich für Mensch und Tier äußerst gefährliche Dioxine bilden können. Vor allem in Hinblick auf die Seveso-Katastrophe wurden nun verschärfte Vorschriften bezüglich des PCB-Gehaltes bei Transformatorenölen erlassen. Im Sinne dieser Vorschriften lässt nun auch das E-Werk die Öle sämtlicher Transformatoren überprüfen. Fünf von zwanzig in Betrieb stehenden Transformatoren haben laut Untersuchungsergebnis die Grenzwerte des PCB-Gehaltes leicht überschritten. Aufgrund eines Vorstandsbeschlusses werden die betreffenden Transformatoren saniert bzw. durch neue ersetzt, so dass nunmehr sämtliche Transformatoren mit einem im Sinne der Bestimmungen einwandfreien Isolieröl in Betrieb stehen. Auch werden bei allen Transformatorstationen die Erdungswiderstände überprüft, und die Umspannstationen im Sinne der Sicherheitsbestimmungen adaptiert, bzw. entsprechend den Vorschriften beschildert und mit den notwendigen Dokumentationen ausgestattet. Einige Kabinen weisen Schäden an der Baustruktur auf, die ebenfalls behoben werden. Ein weiterer wichtiger Bereich der Sicherheitsbestimmungen betrifft den Lärmschutz. Die Arbeits- und Maschinenräume des E-Werkes werden daher hinsichtlich des Lärmaufkommens untersucht und entsprechend den Untersuchungsergebnissen und im Sinne der Vorschriften werden Vorkehrungen zum Lärmschutz getroffen.

Leider kommt es in der Stromversorgung immer wieder zu Ausfällen, die für die Kunden und für die Anlagen des E-Werkes selbst ein großes Problem darstellen. In der Hauptsache sind aber nicht die Anlagen des E- Werkes die Versucher der Störungen, sondern sie gehen vielfach vom MS-Netz des ENEL aus. Dies ist sicherlich zu einem Teil auf die gebirgige Lage (Stilfserjoch - Sulden) zurückzuführen, in der sich die MS- Leitung befindet, wo natürlich vor allem wetterbedingte Faktoren einen negativen Einfluss haben. Zu einem wesentlichen Teil ist aber die veralterte Leitungsinfrastruktur für die zahlreichen Stromunterbrechungen (bis zu 90 im Jahr) verantwortlich. Wenn auf dem MS-Netz des ENEL Fehler auftreten, so werden diese von den Überwachungsanlagen des Parallelbetriebes registriert. Überschreiten die Fehler gewisse Schwellenwerte, so lösen sie eine Unterbrechung des Stromverbundes zwischen dem ENEL und unseren Anlagen aus. Im gleichen Augenblick müssen die Kraftwerke des E-Werkes selbständig die Stromversorgung übernehmen. Dies ist so lange kein Problem, als genügend eigene Leistung zur Verfügung steht und der aufgetretene Fehler auf dem MS-Netz des ENEL nicht derart heftig ist, dass auch die eigenen Kraftwerke von den Überwachungsanlagen außer Betrieb gesetzt werden.

Schon seit Jahren bemüht sich das Energie-Werk-Prad Genossenschaft bei den zuständigen Stellen um eine Verbesserung dieser Situation. Letzthin scheint sich nun doch einiges zu bewegen. Insgesamt ist aber die Verwaltung des E-Werkes auch in dieser Angelegenheit der Überzeugung, dass die Selbsthilfe die beste Hilfe ist. Eine wichtige Maßnahme in diesem Sinne ist die Automation von verschiedenen Teilen der Stromverteilungsanlagen. Der im vergangenen Jahr eingesetzte Mikroprozessor wird nunmehr auch dazu verwendet, bei einer Stromunterbrechung durch das ENEL das örtliche Stromverteilungsnetz sowie die Kraftwerke so zu steuern, dass die Stromversorgung über die eigenen Anlagen unterbrechungslos fortgeführt wird. Sollte die eigene Kraftwerksleistung nicht für die Deckung des örtlichen Bedarfs ausreichen, so schaltet der Mikroprozessor einen Teil des Versorgungsgebietes ab, damit ein restlicher Teil, für den genug Leistung vorhanden ist, versorgt werden kann. Diese technische Einrichtung hat sich bereits bewährt, wie von der Abnehmerschaft auch festgestellt werden konnte.

Notwendig wurde heuer die Generalrevision des Mühlbachwerkes 1, das praktisch seit 6 Jahren ohne größere Unterbrechung Tag und Nacht in Betrieb steht. Da am Turbinenlaufrad und an der Laufradkammer Kavitations- und Verschleißschäden aufgetreten sind, werden diese Turbinenteile durch neue ersetzt.

Besondere Aufmerksamkeit schenkt die Verwaltung des E-Werkes Prad wiederum der Suche nach weiteren Möglichkeiten, eine möglichst hohe Eigenständigkeit in der Energieversorgung von Prad zu erreichen. Vor allem wird versucht, das Kraftwerksprojekt im Hinblick auf die Nutzung der bestehenden Beregnungsleitung zwischen der Stilfserbrücke und der Schmelz voranzubringen. Das erste Projekt (1988) wird aufgrund einer genaueren Bewertung vor allem aus Kostengründen aufgegeben und durch eine Variante ersetzt. Der ursprüngliche Standort des Kraftwerkgebäudes bei der "Schwarzen Wand" wird als nicht günstig betrachtet, Der Maschinenteil soll nunmehr im Kraftwerksraum des Mühlbachwerkes 1 in der Schmelz, wo genügend Platz ist und die Beregnungsleitung unmittelbar am Gebäude vorbeiführt, untergebracht werden. Mit dem Bonifizierungskonsortium Vinschgau kann eine Vereinbarung zur Nutzung der Druckleitung in den Wintermonaten abgeschlossen werden. Leider ist es noch nicht gelungen, mit dem E-Werk Stilfs in dieser Angelegenheit ein Einvernehmen zu erzielen. Von den Stilfsern wird ein Teil der Kraftwerksleistung beansprucht, da ein Abschnitt der Druckleitung in ihrem Gemeindegebiet verläuft. Ein wichtiger Fortschritt zur Sicherung neuer Energiequellen für die heimische Bevölkerung kann durch die Eintragung des geplanten Ortlerkraftwerkes (Unterthurn - Schmelz) am Suldenbach in den Bauleitplan der Gemeinde Prad und der Gemeinde Stilfs verzeichnet werden. Bezüglich Verwaltungstätigkeit ist noch anzuführen, dass die Stromfakturierung nicht mehr vom Raiffeisenverband vorgenommen wird, sondern über die eigene EDV- Anlage erfolgt.

1993

Der Schwerpunkt der Arbeiten und Investitionen liegt im Bereich des örtlichen Stromverteilungsnetzes. Vor allem wird an der Niederspannungsverteilung, also im Bereich der äußersten Verästelung unseres Stromleitungsnetzes gearbeitet. Das unterirdische MS-Netz, das im Grundgerüst aus einer Ringleitung rund um unser Dorf mit 13 Transformatorstationen besteht, ist vor ein paar Jahren im Rahmen eines Mehrjahresprogrammes fertig gestellt worden, weshalb sich das E-Werk nun verstärkt auf den NS-Teil der Stromverteilungsanlage konzentrieren kann. In den Dorfzonen Schmelz, Koatlack, Unterdorf, St. Antonstraße, St. Johann-Siedlung werden Reste der alten Freileitungen abgetragen und die Hausanschlüsse auf Erdkabelleitungen umgestellt.

Es ist weiters zu berichten, dass die Höfe am Prader Berg (Vellnair, Verklair, Maurhof, Löschhof, Untervellnairhof, Mooshof und Pastelwies) eine neue Trafostation (Masttrafo) in der Nähe der Vellnairer Bergschule erhalten. Dadurch kann endlich die alte und baufällige 5 kV Freileitung, die noch vor dem 2. Weltkrieg errichtet wurde, außer Betrieb gesetzt und abgetragen werden.

Recht aufwendig ist ferner die Erneuerung der Laufradnabe an der Turbine des Mühlbachwerkes 2. An der Nabe des Turbinenrades müssen Kavitationsschäden beseitigt werden. Das Material der Nabe besteht aus Gusseisen und scheint dem Angriff der Wasserkraft nicht ganz gewachsen zu sein, weshalb vom Turbinenlieferant nunmehr ein hochwertiger Stahl (Chrom-Nickel 13,4) für Nabe eingesetzt wird. Die Reparaturkosten werden zu einem Großteil von der Fa. VOEST ALPINE MCE aufgrund von vereinbarten Garantieleistungen übernommen. Die Reparaturarbeiten ziehen sich über knapp drei Wochen dahin.

Schließlich wird das Kraftwerksgebäude auf den Schweinböden einer Renovierung unterzogen und der Maschinenteil des alten Tschrinbachwerkes ausgebaut und auf dem Areal vor dem Mühlbachkraftwerk 1 in der Schmelz als Schauobjekt der örtlichen Stromversorgungsgeschichte ausgestellt.

1994

Die wichtigste Investition des Jahres stellt der Bau eines Depots am Mühlbachkraftwerk 2 unterhalb des Sportplatzes dar. Es werden ca. 1.400 m3 Lagerraum geschaffen, wobei das Gebäude größtenteils unterirdisch angelegt wird. Durch diesen Bau ist es nun möglich, die an den verschiedenen Orten gelagerten Materialien, Werkzeuge und Geräte an einer Stelle unterzubringen. Zudem steht im Depot auch ein neuer geräumiger Werkraum zur Verfügung. Für die Lagerung der verschiedenen Materialien werden zweckdienliche Stellagen an den Wänden befestigt.

Einen weiteren Schwerpunkt der Investitionen bildet die Umrüstung der Tschrinbachwerke vom traditionellen Steuerungs- und Überwachungssystem auf eine SPS-gesteuerte Überwachungs- und Automationsanlage, wie sie bereits in den Mühlbachwerken eingesetzt wird. Dabei werden die Tschrinwerke mit dem zentralen Mikroprozessor im Mühlbachkraftwerk 1 verbunden, wodurch eine noch bessere Harmonisierung des Zusammenwirkens aller Kraftwerke erreicht wird. Am zentralen Mikroprozessor laufen nunmehr alle Daten der Kraftwerke und auch der Stromverteilungsanlagen zusammen, werden dort angezeigt und die wichtigsten Daten für das Wartungspersonal über eine Funkanlage auf Funkgeräte mit Display übermittelt. Von der zentralen Überwachungsanlage können auch verschiedene Befehle an die einzelnen Kraftwerksanlagen übertragen werden. Die wichtigste Arbeit am Netz betrifft den Neuanschluss des Sportzentrums über eine eigene Trafostation.

1995

Dieses Jahr stellt einen weiteren Meilenstein in der Entwicklung des E-Werkes Prad dar. Nachdem die grundlegenden Genehmigungen zum Bau des Kraftwerkes an der Beregnungsleitung endlich eingetroffen sind und mit dem E-Werk Stilfs ein Vertrag zur gemeinsamen Nutzung (20 % der Stromproduktion) abgeschlossen werden konnte, werden im Frühjahr die verschiedenen Maschinen bestellt und im Herbst mit dem Bau und der Installation der Anlagenteile begonnen. Kurz vor Silvester werden die ersten Probeläufe durchgeführt. Das Kraftwerk wird im Gebäude des Mühlbachwerkes 1 untergebracht. Von der Fa. Troyer in Sterzing wird eine doppeldüsige Pelton-Turbine von 624 kW Leistung und von der Fa. Kössler, St. Georgen in Österreich, eine Spiral- Francis-Turbine von 167 KW Leistung als Winterersatzmaschine für die bestehende Kaplan-Turbine, die das nunmehr geringere Triebwasser nicht mehr zufrieden stellend nutzen könnte, eingebaut. Die Drehstromsynchrongeneratoren werden neuerdings von der Fa. Hitzinger aus Linz in Österreich geliefert, während die Steuerungs- und Automatisierungsanlage von der Fa. Troyer aufgebaut wird. Einen wesentlichen Beitrag am Bau des Kraftwerkes leisten die Mitarbeiter des E-Werkes Prad. Sie erstellen die Fundamentplatte, errichten den Ausleitungsschacht, installieren den Transformator, die MS-Anlage sowie die Datenleitung zwecks Steuerung der Wasserfassung. Seit Neujahr 1996 laufen die neuen Maschinen und sind mit einer durchschnittlichen Leistung von rund 600 kW maßgeblich an der winterlichen Stromerzeugung unserer Genossenschaft beteiligt.

Mit den neuen Kraftwerken ist das E-Werk nun auch in der Lage, den Strombedarf der Mitgliedschaft auch im Winter zu decken. Einige Probleme treten allerdings an der Wasserfassung auf. Bei großer Kälte behindert die Eisbildung die Wassereinleitung. Zur Behebung des Problems werden einige Adaptierungen an der Wasserfassung vorgenommen.

Eine weitere wichtige Einrichtung ist ferner die Installation einer neuen leistungsfähigen Notstromanlage, die im Mühlbachkraftwerk 2 untergebracht wird. Sie steht seit Dezember in Betrieb. Mit dieser Anlage, die von einem Dieselmotor betrieben wird und ca. 560 KW Leistung erreicht, wird die Versorgungssicherheit noch einmal wesentlich verbessert. Auch ist es möglich, Lastspitzen, die in unserem Verteilernetz auftreten, bei Notwendigkeit abzudecken. Die Anlage ist voll automatisiert und wird von der SPS-Zentrale im Mühlbachkraftwerk 1 auf der Basis vorgesehener Betriebsverhältnisse gesteuert. Das Aggregat ist lärmgedämmt und erfüllt sämtliche Sicherheits- und Abgasnormen.

Auch am Stromverteilungsnetz wurde wiederum gearbeitet. Im Abschnitt der Zufahrtsstraße zur Gewerbezone zwischen der Agumser Kreuzung und der Werkstätte von Hofer Walter werden Leerrohre für den Aufbau des geplanten MS-Ringes in der Gewerbezone verlegt. Eine weitere Leerrohrverlegung erfolgt durch das Gelände des Campings Kiefernhain, um eine Verbindung zwischen der Trafostation im Sportzentrum und der Trafostation am Kiefernhainweg herzustellen. Mit dieser Verbindung kann das Mühlbachkraftwerk 2 ebenfalls in eine MS-Ringleitung eingebunden werden.

 

D)

Neue Perspektiven mit Kooperation, mit neuen erneuerbaren Energiequellen und neuen energetischen Dienstleistungen (1996 – 2004)

1996

Nach der Inbetriebnahme der neuen Kraftwerksanlagen im Mühlbachkraftwerk 1 werden zu Beginn des Jahres verschiedene Restarbeiten im und um das Kraftwerk durchgeführt. So erhält der Maschinenraum neue Fliesen und auch außen werden das Areal und das Gebäude zum Teil neu gestaltet. Außerdem erhalten die Zuleitungskanäle zwischen der Wasserfassung und dem Entsander des Mühlbachkraftwerke 1 eine neue Eisenplattenpanzerung, nachdem an den Betonmauern erheblicher Abrieb festgestellt worden ist. Mitte Juli bezieht das Energie-Werk-Prad Genossenschaft den neuen Verwaltungssitz (gepachtete Räume) an der Hauptstraße 29/A im Unterdorf von Prad. Schließlich wird mit dem EW-Stilfs Gen. m. b. H. ein Einvernehmen darüber erzielt, gemeinsam am Trafoibach ein Wasserkraftwerk zu erreichten. Das EW-Prad erwirbt ein Miteigentum am Kraftwerk im Ausmaß von 25%.

1997

Im Mittelpunkt der Investitionstätigkeiten steht der Bau des Trafoibachwerkes. Das Kraftwerk wird in Rahmen einer Miteigentumsgemeinschaft zwischen dem EW-Stilfs (75%) und dem EW-Prad (25%) errichtet. Um die Bauarbeiten des relativ großen Kraftwerkes (knapp 5 MW Leistung) zu organisieren und zu koordinieren, wird ein gemeinsames Baukomitee aus je 2 Vertretern des EW-Stilfs und des EW-Prad eingerichtet, dem der Projektant der Anlage Dr. Ing. Ernst Troyer sowie dessen Assistent Uli Linser als technische Berater zu Seite stehen. In einer partnerschaftlichen und hervorragend funktionierenden Zusammenarbeit gelingt es, das Kraftwerksprojekt termingerecht und planmäßig durchzuziehen und zwar derart, dass mit einem Maschinensatz noch am Silvestertag 1997 für einen ersten Probelauf gestartet werden kann.

In den Monaten Jänner und Februar werden die letzten Änderungen und Feinabstimmungen am Projekt vorgenommen und in den Monaten März und April die verschiedenen Bau- und Erdbewegungsarbeiten ausgeschrieben, mit verschieden Firmen verhandelt und schließlich die Arbeiten definitiv vergeben. Mit den Hoch- und Tiefbauarbeiten (Wasserfassung, Entsanderbecken, Verlegung der Druckrohrleitung, Kraftwerksgebäude) wird eine Bietergemeinschaft aus dem Vinschgau (Fa. Paulmichl, fa. Mauir und Fa. Marx), mit der Lieferung der Stahldruckrohre di Fa. Capello Tubi , mit der Lieferung der Sphärogussrohre die Fa. Tubi Ghisa, mit der Lieferung der Transformatoren die Fa. SBG, mit der Lieferung der 20 kV-Schaltanlage die Fa. Siemens, mit der Lieferung der 2 Generatoren die Fa. Bartholdi, mit der Lieferung und dem Einbau der 2 Turbinen und der Automation der gesamten Anlage die Fa. Troyer sowie mit sämtlichen Schlosserarbeiten (Stahlwasserbau und Bauschlosserarbeiten am Kraftwerksgebäude) die Fa. Metallbau beauftragt. Die übergeordnete Bauaufsicht übernehmen Dr. Ing. Ernst Troyer und sein Assistent Uli Linse. Die Hoch- und Tiefbauarbeiten werden vom Ingenieurbüro Dr. Ing. Siegfried Pohl überwacht und geleitet. Die Vermessungsarbeiten werden an die Geometer Othmar Brenner und Matthias Tschenett und die Aufgabe eines Sicherheitskoordinators an Dr. Ing. Manfred Lechner übertragen. Der Bau der Mittelspannungsleitung (20/30 kV) zwischen dem Kraftwerk in Gomagoi und dem Mühlbachkraftwerk 1 in Prad sowie die Errichtung der gemeinsamen Parallelstation im Mühlbachkraftwerk 1 in Prad des EW-Prad und EW-Stilfs mit dem übergeordneten ENEL-Netz wird von den beiden E-Werken in Eigenregie durchgeführt. Die Gesamtsumme der insgesamt vergebenen Lieferungen und Arbeiten beträgt ca. 10 Milliarden Lire ohne die MS-Leitung zwischen Gomagoi und Prad sowie die elektrischen Anlagen an der Parallelstation im Mühlbachkraftwerk 1 in Prad.

1998

Am 8. Jänner nimmt der 1. Maschinensatz des Trafoibachkraftwerkes den Betrieb auf. Der 2. Maschinensatz wird in den Monaten Februar bis April installiert und kann im Monat Mai bereits die durch die Schneeschmelze anfallende Wasserschüttung des Trafoibaches in wertvolle elektrische Energie umwandeln. Nach Abschluss der Bauarbeiten erreichen die Ausgaben für das Trafoibachkraftwerk ohne MS-Leitung und Anschlusskosten an das ENEL- Netz 10,5 Milliarden Lire. Die veranschlagten Kosten gemäß Ausführungsprojekt lagen bei 11,2 Milliarden Lire.

1999

Das E - Werk Prad beginnt eine neue energietechnische Dienstleitung: die Versorgung der Gebäude von Prad mit Fernwärme. Das aufwändige Projekt soll in 5 bis 7 Jahren im Rahmen von zwei Ausbaustufen realisiert werden. Zunächst soll der zentrale Bereich des Dorfes (rund um die Volksschule) die Fernwärme erhalten und anschließend die umliegenden und periphereren Zonen des Dorfes. Mit der ersten Ausbaustufe des Fernwärmeprojektes wird Ende Juni begonnen. Es werden die ersten Fernwärmerohre verlegt und eine unterirdische Fernwärmezentrale errichtet, welche im Parkplatz zwischen der neuen Grundschule, der Kirche und dem Kindergartens angelegt wird. In der Zentrale sollen zwei KWK- Module Strom und Wärme erzeugen sowie eine Wärmepumpe und ein Spitzenkessel für Bereitstellung der erforderlichen Wärme zum Einsatz kommen. Noch kurz vor Weihnachten nehmen ein erstes Modul und der Spitzenkessel den Probebetrieb in der neuen Fernwärmezentrale auf.

2000

Im Mühlbachkraftwerk 2 stehen verschiedene Reparaturarbeiten an. Gegen Ende des vorhergehenden Jahres tritt ein größerer Schaden am Perkins Motor der Notstromanlage auf, der den kompletten Austausch erfordert. Ein neuer Mercedes 12 Zylinder Motor mit einer Leistung von 460 kW wird eingesetzt. Außerdem muss die Gleitringdichtung der Kaplanturbine (VOEST- Maschine) im Mühlbachkraftwerk 2, die in den Sommermonaten immer wieder aufgrund des hohen Anteils an Gletscherschliff im Triebwasser ausgefallen war, ausgebaut und mit einem betriebstauglicheren Dichtungssystem, bei dem Keramikplatten zum Einsatz kommen, ersetzt werden. Der Schwerpunkt der Arbeiten konzentriert sich auf die Fortsetzung der 1. Ausbaustufe des Fernwärmeprojektes. Vorerst wird das 2. KWK- Modul in der Zentrale vor der Grundschule eingesetzt und Fernwärmeleitungen im Bereich zwischen St. Anton, Kreuzgasse und Hauptplatz verlegt. Die Kosten für die 1. Ausbaustufe der Fernwärmeanlage betragen ca. 3,2 Milliarden Lire. Im Laufe des Jahres finden auch immer wieder Besprechungen für den Bau einer Biogasfermentierungsanlage statt, deren Biogas den KWK- Modulen der Fernwärmezentrale zugeführt werden sollten.

2001

Aufgrund der positiven Erfahrungen mit der begonnenen Fernwärmeversorgung nimmt in Prad die Nachfrage danach stark zu. Auf der Basis einer gut besuchten Informationsveranstaltung im Herbst 2000 und aufgrund zahlreicher Anträge beschließt der Verwaltungsrat des E-Werkes Prad die 2. Ausbaustufe in Angriff zu nehmen. Im heurigen Jahr wird die Planung vorgenommen und beim Land um den betreffenden Beitrag angesucht. Auf der ortographisch linken Seite des Suldenbaches, nördlich des Bauhofes der Wildbachverbauung, soll die 2. Fernwärmezentrale entstehen.

Auch die Planung der Biogasanlage schreitet voran und noch im Februar erfolgt die Gründung einer bäuerlichen Genossenschaft, der ca. 50 Bauern, die über rund 600 GVE verfügen, beitreten. Auch das EW-Prad, welches das Biogasprojekt voll unterstützt, wird als Mitglied mit einem Sitz in den Verwaltungsrat der Landwirtschaftlichen Genossenschaft Prad (LGP) aufgenommen. In der Biogasanlage sollen ca. 12.000 Tonnen Gülle und Festmist sowie ca. 1.500 Tonnen Cofermente (Äpfelreste und Bioöle) vergoren werden. Mit dem Substart können rund 600.000 m3 Biogas, bzw. 3.500.000 kWh Primärenergie gewonnen werden. Rund 500.000 kWh Biogas dürfte für die Erwärmung des Substrates auf ca. 37 °C in den 2 Fermentern verbraucht und der Rest, ca. 3.000.000 kWh Biogas, soll über eine 2,6 km lange Biogasleitung den KWK- Modulen in den Fernwärmezentralen für die Strom- und Wärmeerzeugung geliefert werden. Die gesamte Investitionssumme für das Biogaswerk und 2 Feldlagern wird auf 2,1 Milliarden Lire geschätzt. Im Frühjahr wird mit den Bauarbeiten der Biogasanlage begonnen.

2002

Seit dem 12. Februar liefert die Biogasanlage der Landwirtschaftlichen Genossenschaft Prad (LGP) den KWK -Modulen des EW-Prad Biogas, welches aus der Vergärung von Gülle und Festmist gewonnen wird. Mit der Verwirklichung der Biogasanlage und der Verwendung des Biogases für die Herstellung von Fernwärme und Strom ist ein ökologisch und wirtschaftlich einmaliger Fortschritt in der Gemeinde Prad erzielt worden. So können die mit der Güllewirtschaft verbundenen ökologischen und wirtschaftlichen Probleme weitgehend gelöst werden:

a) Die Geruchsbelästigung durch die Ausbringung der Gülle auf die Felder wird deutlich vermindert;

b)  Die bei der herkömmlichen Festmist- und Gülledüngung entweichenden Gase, welche die Ozonschicht belasten, werden mit dem Biogassystem stark reduziert;

c) Die Böden erhalten mit der vergorenen Gülle einen hochwertigeren Dünger, welcher die Humusbildung nachhaltig fördert und die Gewässer (Oberfächen- und Grundwasser) kaum mehr belastet;

d)  Vergorene Gülle ist wesentlich pflanzenverträglicher, weit weniger pflanzenselektiv und kann von den Wurzeln der Pflanzen besser aufgenommen werden;

e) Durch den organisierten Gülletransport mit einem großen Güllefass (11,5 Tonnen) von der Hofstelle zur Biogasanlage und von dort als Rückfracht zurück zu den Feldlagern in den Prader und Lichtenberger Feldern werden die früheren Gülle- und Misttransporte der Bauern stark entlastet. Die feldnahe Lagerung der vergorenen Gülle verringert den Aufwand der Landwirte zur Düngezeit, zudem schonen die Bauern ihre Maschinen, sparen Zeit und vermeiden Verkehr;

f) Durch die verschiedenen Behälter der Biogasanlage und die 2 Feldlager können sich viele landwirtschaftliche Betriebe den Bau von größeren Güllelagern auf den Höfen sparen. Den angeschlossenen Betrieben steht eine Gesamtlagerkapazität von 6.700 m3 für Gülle zur Verfügung;

g) Bei fachkundiger Ausbringung der vergorenen Gülle kann in der Grünlandwirtschaft auf Kunstdünger verzichtet und ein zusätzlicher Schnitt erzielt werden;

h) Biogas ist eine Lokal hergestellter erneuerbarer Energieträger, der Fossilenergie substituiert (in Prad im täglichen Schnitt 1700 m3, was einer Ölmenge von 1000 Litern entspricht) und einen weiteren bedeutenden Fortschritt einer lokalen autarken Energieversorgung für unser Dorf gewährleistet.

i) Der Einsatz dieser heimischen Energieressource hilft mit, den Standort Prad zu verbessern und die lokale Kreislaufwirtschaft zu beleben, trägt zur lokalen Wertschöpfung sowie zur Stabilisierung des sozioökonomischen Gefüges in unserer Gemeinde bei.

Am 10. April erhält das EW-Prad die Baukonzession für die Errichtung der 2. Fernwärmezentrale in der St. Antonsiedlung und den weiteren Ausbau des Fernwärmenetzes. Nach der Ausschreibung der verschiedenen Arbeiten und Lieferungen wird im Mai mit Bau der 2. Fernwärmezentrale begonnen und die Verlegung der Fernwärmeleitungen fortgesetzt. Mitte November konnte die Zentrale in Betrieb gesetzt. Ein Hackgutofen mit 1.200 kW thermischer Leistung, ein KWK-Modul mit knapp 1000 kW Feuerleistung (Hu), eine Wärmepumpe mit 200 kW thermischer Leistung stehen für die Wärme- bzw. Stromerzeugung zur Verfügung. Bis zum Jahresende konnte das Fernwärmenetz von Prad, schwerpunktmäßig im nordöstlichen Bereich des Dorfes (St. Anton - Sandweg - Reutweg), um 4.200 m erweitert und rund 50 Gebäude neu an das Netz angeschlossen werden.

2003

Auf der Malser Haide geht Ende Oktober die "Windkraftanlage Marein" in Betrieb. Die Anlage ist ein Pilotprojekt der Fa. Leitner und verfügt über eine Maximalleistung von 1.200 kW. Die Anlage wird von einer Miteigentumsgemeinschaft betrieben, der auch das EW- Prad angehört. Insbesondere hat sich das EW Prad auf den weiteren Ausbau der Fernwärmeanlagen konzentriert. Das Fernwärmenetz wurde um 2.250 m ergänzt und rund 90 Gebäuden erhalten Übergabestationen für die Fernwärmeversorgung. Am 31.12.2003 weist die gesamte Länge der Fernwärmetrasse 10.900 m auf und es werden insgesamt 182 Gebäude mit Fernwärme versorgt.

2004

Das EW-Prad baut weiter am Fernwärmenetz und installiert weitere Übergabestationen. In der Fernwärmezentrale 2 wird im Mai ein Ottomodul, welches die Fa. MDE liefert, eingesetzt. Außerdem wird das Leit- und Fernwärmeleitsystem neu konzipiert. Es kann rund 145 kW Strom und 250 kW Wärme aus Biogas erzeugen. Im Mühlbachwerk erfolgt ein Umbau an der Parallelstation. Neue Schaltzellen und zwei Trenntransformatoren werden eingesetzt.