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Energie-Werk-Prad Genossenschaft
Das Energiesystem von Prad

ENERGIE VON DAHEIM – FRISCHER STROM UND WOHLIGE WÄRME

Unter dem Motto „Energie von daheim“ ist das Energie-Werk-Prad Genossenschaft bemüht, das Dorf Prad, das ca. 3200 Einwohner zählt und sich im Nationalpark Stilfserjoch befindet, mit möglichst eigenständig erzeugter Energie zu versorgen. Dabei ist es ein ehrgeiziges Ziel, dies auf der Basis erneuerbarer Energiequellen, bei bestmöglicher Effizienz und zu günstigen Preisen sicherzustellen. Der Strom wird vorwiegend mit 4 kleinen bis mittelgroßen Wasserkraftwerken, mit 4 Kraftwärmekoppelungsmodulen sowie mit einer Windkraftanlage hergestellt, während von 2 Fernwärmezentralen aus die Wärme den Gebäuden über ein ca. 14 km langes Fernwärmenetz zugeliefert wird.

a) Lokaler Strom- und Wärmebedarf
Der Strom, der zur Zeit jährlich von Kraftwerken in das genossenschaftseigene lokale Stromverteilernetz des E-Werkes Prad gespeist wird, welches aus einer ca. 15 km langen erdverlegten MS-Ringleitung und aus einem ebenso erdverlegten ca. 25 km NS-Kabelnetz besteht, liegt bei 10,5 GWh. Die Wärmemenge, welche über das Fernwärmenetz den Gebäuden zugeführt wird, beträgt derzeit ca. 6 GWh und nach Fertigstellung des Fernwärmenetzes (Ende 2005) dürften es gut 9 GWh sein.

b) Strom- und Wärmeverbraucher
Von dem ins lokale Netz eingespeisten Strom verbrauchen die Mitglieder der E- Genossenschaft ca. 92% und die Nicht-Mitglieder ca. 8% . Die Fernwärme wird nahezu zur Gänze von den Mitgliedern der E-Genossenschaft bezogen. Der Elektrizitätsgenossenschaft Prad gehörten am 1.1.2004 900 Mitglieder an.

c) Strom- und Wärmerzeugung
Die Stromerzeugung betrug im Jahr 2003 rund. 21 GWh. Davon lieferten die Wasserkraftwerke ca. 17 GWh und die KWK- Module ca. 3 GWh. Die „Windkraftanlage Marein“ auf der Malser Haide hat erst gegen Ende 2003 den Betrieb aufgenommen, weshalb deren Produktion im diesem Jahr eine nennenswerte Größe aufweist. Die Anlage soll pro Jahr ca. 1.500.000 kWh Strom liefern.
Die 4 KWK- Module in den 2 Fernwärmezentralen werden mit Biogas und mineralischem Diesel gespeist. Die eingesetzte Primärenergie (Biogas und mineralischer Diesel) wandeln die Module zu ca. 37% in Strom und zu ca. 48% in Wärme um. Die in den geschlossenen Modulen anfallende Strahlungswärme wird über einen Luftwassertauscher zwei Wärmepumpen zugeführt, welche die relativ niedrige Strahlungswärme von ca. 22 °C auf 65 °C erhöhen und anschließend dem Fernwärmekreislauf zuführen. Knapp die Hälfte der erzeugten Fernwärme liefern die KWK- Module und die 2 Wärmepumpen, während der Rest (ca. 3 GWh) mit einem Hackschnitzelofen bereitgestellt wird.

d) Überschussstrom
Knapp 10 GWh Strom werden in das übergeordnete Netz des ENEL-AG eingespeist und vorläufig einem lokalen Stromgroßhändler übergeben.

e) Biogas
Die Energiequelle Biogas gibt es in Prad seit dem Frühjahr 2002, als die Vergärungsanlage der Biogas-Genossenschaft Prad (BGP) den Betrieb aufnahm. Das Biogas wird aus der Fermentierung von Gülle, Festmist und weiteren biologischen Substraten (Apfelreste und Pflanzenfette) gewonnen. Der Betreibergenossenschaft gehören rund 50 Bauern aus der Gemeinde Prad, welche über ca. 600 GVE verfügen, sowie das Energie-Werk-Prad Genossenschaft an. Diese holt das Substrat (Gülle, Festmist) mit einem Transportfahrzeug von den Höfen ab, vergärt es in der Biogasanlage, gewinnt dabei Biogas und liefert die vergorene Gülle, die kaum mehr riecht und einen wesentlich umweltfreundlicheren und wertvolleren Dünger darstellt, direkt auf die Felder oder in 2 Feldlager, wo das Substrat für die spätere Ausbringung zwischengelagert wird. Mit der Vergärung von ca. 12.000 Tonnen Gülle und Festmist sowie von ca. 2500 Tonnen Apfelresten und Pflanzenfetten werden jährlich rund 600.000 m³ Biogas hergestellt. Das Energie-Werk-Prad Genossenschaft hat sich in einem längerfristigen Vertrag verpflichtet, das von der Biogasgenossenschaft erzeugte Biogas zu einem vereinbarten Preis (erdöläquivalent) abzunehmen. Über eine Biogasleitung von ca. 2,6 km Länge wird der wertvolle Energieträger den 2 Fernwärmezentralen im Ort zugeführt, wo je 2 KWK- Module diese bei einem Wirkungsgrad von 84% in Strom und Wärme umwandeln.

f) Windenergie
Schon seit Jahren hatte das Energie-Werk-Prad Genossenschaft auch den gefürchteten „Vinschger Oberwind“ als Energiequelle im Visier. Entsprechend wurden Windmessungen an verschiedenen Stellen im Vinschgauer Oberland durchgeführt. Schließlich wurde eine besonders windreiche Stelle auf der Malser Haide (Marein) ausgemacht. Ca. 6 m / sec. im Jahresschnitt, auf 10 m Höhe gemessen, Grund genug, den Standort einer genaueren Untersuchung zu unterziehen. Nachdem eine Machbarkeitsstudie ein positives Ergebnis für die Errichtung eines Windparks geliefert hatte, wurde auf Möglichkeiten für dessen Umsetzung Ausschau gehalten. Da der Standort Marein außerhalb des Gemeindegebietes von Prad liegt, wurde vom Anfang an die Zusammenarbeit mit den dortigen Gemeinden und weiteren Partnern der Umgebung gesucht und schließlich auch gefunden. Ein Zufall dabei war, dass zur selben Zeit die Fa. Leitner AG von Sterzing nach einem geeigneten Standort für den Betrieb einer Windkraft-Pilotanlage Ausschau hielt. Man hat sich im Jahr 2002 gefunden und es verstrichen nur wenige Monate, bis Ende Oktober 2003 eine Windanlage von 1,2 MW auf der Malser Haide den Betrieb aufnehmen konnte. So fügt sich nun auch noch die Windenergie als weiterer Energiebaustein in das Energieversorgungssystem des E-Werkes Prad ein und hilft mit, im Rahmen mehrfach vernetzter Erzeugungsarten die Autarkie der Energieversorgung von Prad auf erneuerbarer Basis weiter abzusichern.