Der Windgipfel
Die Nordsee hat sich zum weltweit größten Zentrum für Offshore-Windenergie entwickelt. Mit derzeit 101 in Betrieb befindlichen Windparks und einer installierten Leistung von rund 30 Gigawatt übertrifft sie andere maritime Regionen wie das Süd- oder Ostchinesische Meer deutlich. Sechs Anrainerstaaten – Großbritannien, Deutschland, die Niederlande, Belgien, Dänemark und Norwegen – tragen gemeinsam zu dieser Führungsrolle bei. Begünstigt wird der Ausbau durch die ausgedehnten flachen Meeresböden, die sich besonders für die Installation am Boden verankerter Offshore-Anlagen eignen.
Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit beim Ausbau der Windenergie auf See und der Wasserstoffinfrastruktur ausweiten: Das ist das Ziel des dritten internationalen Nordsee-Gipfels, der am 26. Januar in Hamburg stattfinden wird. Eingeladen sind die Staats- und Regierungschefs sowie Energieministerinnen und Energieminister aus Belgien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Irland, Luxemburg, den Niederlanden, Norwegen und die Europäische Kommission sowie erstmals auch Island und die NATO. Zudem werden über 100 Unternehmensvertreterinnen und -vertreter am Gipfel teilnehmen.
Der Zubau schreitet in der Nordsee weiter voran. 2025 kamen etwa 1,6 Gigawatt aus drei neuen Projekten hinzu, darunter Moray West und Neart Na Goithe in Großbritannien sowie der Park Goode in der deutschen Nordsee. Aktuell befinden sich weitere Anlagen mit einer Leistung von sieben Gigawatt im Bau, darunter auch das Projekt Dogger Bank, das mit 3,6 Gigawatt nach Fertigstellung der größte Offshore-Windpark der Welt sein wird.
Auch in der Nordsee gewinnt die grenzüberschreitende Strominfrastruktur an Bedeutung. Offshore-Stromverbindungen ermöglichen bereits heute einen Ausgleich von Erzeugung und Nachfrage zwischen den angrenzenden Ländern. Die Nordseeanrainerstaaten vereinen rund die Hälfte des industriellen Energiebedarfs in Europa. Die Transformation der Nordsee von einem Öl- und Gasrevier zu einem innovativen und nachhaltigen Kraftzentrum erneuerbarer Energie zählt damit zu den zentralen strategischen Chancen Europas – vorausgesetzt, die regionale Zusammenarbeit wird weiter vertieft.

